Alte Tradition wird weitergeführt
In Methler wurde am Veilchendienstag wieder ein ganz besonderer „Trauerfall“ begangen: Der Radsportverein Wanderlust Methler 1900 e.V. verabschiedete den Gott des Weines – alias Bacchus – mit einer Mischung aus Wehmut, Gelächter und einer Prise hochprozentiger Symbolik. Die traditionelle Bacchusverbrennung, die seit 2020 im neuen Vereinsheim wieder zelebriert wird, lockte erneut zahlreiche Trauergäste an, die sich tapfer dem emotionalen Ausnahmezustand stellten.
Ein Sarg, ein Holzwurm und ein Gott, der gut brennt
Wie jedes Jahr wurde die Strohpuppe, die Bacchus darstellt, liebevoll ausgestopft – vermutlich mit allem, was die Session so hergab. Anschließend legte man ihn in einen eigens gezimmerten Holzsarg, gefertigt vom vereinseigenen „Holzwurm“ Georg Bethke. Ein Mann, der offenbar weiß, wie man Möbel baut, die auch einem Gott des Weines standhalten – zumindest bis zur Feuerstelle.
Die Witwe trauert – das Publikum auch, aber vor Lachen
Traditionell durfte sich „Witwe“ Christa Budde als Erste verabschieden. Mit einer Mischung aus Pathos und trockenem Humor würdigte sie den Verstorbenen, der – so munkelt man – in der Session wieder einmal „über seine Verhältnisse gelebt“ hatte. Die Trauergemeinde folgte ihrem Beispiel und nahm Abschied, teils mit Taschentüchern, teils mit Grinsen.
Vereinsgeistlicher Hartmut Sachser hielt die Predigt und erinnerte daran, dass Bacchus für die „karnevalistischen Sünden“ büßen müsse. Ein Satz, der bei einigen Gästen für nervöses Hüsteln sorgte.
Ein Funke genügt – und Bacchus zeigt, was in ihm steckt
Am Verbrennungsort angekommen, zeigte Bacchus, dass er nicht nur Gott des Weines, sondern auch ein echter Hitzkopf ist: Er ging „wegen seines übermäßigen und hochprozentigen Alkoholgenusses gut in Flammen auf“ – wie es im Protokoll heißt. Ein Abgang, der selbst Hollywood neidisch machen würde.
Nach der Trauer ist vor der Feier
Zurück im Vereinsheim wurde der „Verlust“ bei Getränken und Gesprächen verarbeitet. Man diskutierte über die Session, das Schicksal des Kameraden Bacchus und darüber, ob er im nächsten Jahr wohl wieder aufersteht. Die Antwort ist klar: Natürlich tut er das – schließlich ist er der zuverlässigste Wiederkehrer seit dem Phönix.